Halbjahresbilanz 2010

Villeroy & Boch macht wieder Profite

Innerhalb eines Jahres jeden 12. Arbeitsplatz abgebaut

Einen Monat, nachdem die Keramikproduktion in Rollingergrund nach 240 Jahren definitiv eingestellt und die Produktion nach Deutschland und Osteuropa ausgelagert wurde, kündigte Villeroy & Boch für das erste Halbjahr 2010 einen Bruttoprofit (vor Steuern und Zinsen) von 8,1 Millionen Euro an. Das Resultat vor Steuern beträgt 3 Millionen Euro und ist damit 17,1 Millionen Euro besser als 2009, als rote Zahlen geschrieben wurden.

Sparmaßnahmen, Abbau von Arbeitsplätzen, gestiegene Produktivität und höhere Umsätze sind die Gründe dieser Entwicklung, die dazu führte, dass die Liquidität des Unternehmens von 0,4 auf 26,1 Millionen Euro anwuchs. Während die Zahl der Arbeitsplätze in den verschiedenen Werken innerhalb eines Jahres um 800 gesenkt wurde – jeder 12. Arbeitsplatz wurde abgebaut – stieg der Umsatz, der im ersten Halbjahr 2009 insgesamt 348,6 Millionen Euro betragen hatte, zwischen Januar und Juni 2010 auf 349,9 Millionen Euro (+0,4 Prozent).

Im Badezimmer- und Wellness-Bereich wurden dank der besseren Verkäufe in Deutschland, Skandinavien, Rußland und Asien 228,4 Millionen Euro umgesetzt. Das sind, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, 8,4 Millionen Euro oder 3,8 Prozent mehr.

Im Bereich Tischkultur gab es hingegen einen Rückgang auf 121,5 Millionen Euro (-7,1 Prozent). Aufgrund außergewöhnlicher, einmaliger Einnahmen lag der Umsatz dennoch 0,9 Prozent über dem ersten Halbjahr 2009.

Strafe von 71,5 Millionen Euro für Markt- und Preisabsprachen?

In die Halbjahresbilanz schrieb das Unternehmen zudem Rückstellungen in Höhe von 73 Millionen Euro ein. Der Grund: Die EU-Kommission wirft Villeroy & Boch vor, zwischen 1994 und 2004 in mehreren Produktionsbereichen Markt- und Preisabsprachen mit anderen Keramikherstellern getroffen zu haben und hatte der Villeroy & Boch AG Mettlach und ihren Filialen in Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Österreich ein Strafgeld in Höhe von 71,5 Millionen Euro auferlegt.

Villeroy & Boch hat die Vorwürfe zurückgewiesen und will bis September beim EU-Gerichtshof in Luxemburg Einspruch erheben, so dass – in Erwartung eines Urteils des Gerichtshofs – das Strafgeld nicht bezahlt, sondern lediglich eine Bankgarantie hinterlegt werden muss. Das Verfahren kann noch Jahre dauern.

Die Rücklage von 73 Millionen Euro bewirkt, dass die konsolidierte Bilanz für das erste Halbjahr 2010 einen Verlust von 70,4 Millionen Euro aufweist, was es dem Konzern erlauben wird, weniger Steuern zu zahlen. Für das gesamte Jahr 2010 rechnet Villeroy & Boch mit einem Bruttoprofit von 10 Millionen Euro. 2009 war wurde ein Verlust von 1,7 Millionen Euro geschrieben.

A.R.

Ali Ruckert : Freitag 30. Juli 2010