Als die Zentralbank das Luxemburger Gold verscherbelte

Ein kapitaler Bock

Welchen kapitalen Bock der Gouverneur der Luxemburger Zentralbank, Herr Yves Mersch, schoss, als er 1998 einen Großteil der Luxemburger Goldreserven verkaufte, geht aus einem Bericht der »fonction publique« von Oktober 2010 hervor.

Die 730.000 Unzen Geld waren Ende 1998 zwischen 7 und 7,5 Milliarden Franken (180 bis 185 Millionen Euro) wert. Infolge der Entwicklung des Goldpreises wären das heute zwischen 28 und 29 Milliarden Franken (700 bis 730 Millionen Euro).

Allerdings hat Luxemburg gegenwärtig nur noch 72.000 der ursprünglich 730.000 Unzen.

»Verstehen Sie jetzt, warum der unabhängige Gouverneur, der sich niemandem gegenüber verantwortlich fühlt, die Abschaffung des Index für notwendig erachtet?«, fragt die »fonction publique«. Herr Mersch gehört, neben den Chefs der Patronatsvereinigungen, bekanntlich zu den schlimmsten Einpeitschern des Indexklau und des Sozialabbaus.

Es stellt sich natürlich auch die Frage, in wessen Interesse ein politisches System und eine Regierung funktionieren, die einem Zentralbankchef freie Hand geben, um das Tafelsilber des Luxemburger Volkes nach Gutdünken zu verscherbeln?

Doch wie das im real existierenden Kapitalismus ma-rianischer Spielart üblich ist, dürfte auch in diesem Fall niemand zur Verantwortung gezogen werden. Denn die dik-ken Hunde beißen sich bekanntlich nicht.

A.R.

Ali Ruckert : Freitag 29. Oktober 2010