Bankenpatronat wettert gegen Index

»Lobbypower« des Finanzsektors hat angesichts der Krise weltweit »dramatisch gelitten«

Die »Association des Banques et Banquiers, Luxembourg« (ABBL) hält es nach den Worten ihres Direktors für »außerhalb Luxemburgs unvorstellbar«, daß die bekanntlich bereits am 1. Juli vergangenen Jahres erfallene Indextranche nun mit achtmonatiger Verspätung am 1. März ausbezahlt werden soll. Hatten neben den Großkonzernen vor allem die Banken von der Indexmanipulation profitiert, so hätten es die in Luxemburg ansässigen Filialen weltweit operierender Finanzinstitute jetzt angeblich schwer, eine zweieinhalbprozentige Erhöhung der Löhne und Gehälter »ihren Mutterkonzernen zu erklären«, so Jean-Jacques Rommes am Mittwoch auf einer Pressekonferenz der Patronatsvereinigung im Cercle Munster.

Zur Entwicklung des hiesigen Bankensektors konnte sich Rommes auf der »ABBL meets press« genannten Veranstaltung nicht äußern, da die Zahlen des vierten Quartals 2008 noch nicht vorliegen. »Wir stochern im Nebel. Es sieht aber nicht so aus, als würden die Banken 2009 Riesengewinne machen.« Wenn ihr Mutterkonzern schwer angeschlagen sei, so Rommes weiter, »kann die Konzernführung in Luxemburg ohnehin nur noch konsolidieren«.

Auf »Gerüchte«, einige Finanzinstitute seien bereits fleißig dabei, Sozialpläne für überflüssig gewordene Mitarbeiter auszuarbeiten, wollte der ABBL-Direktor nicht eingehen. Er glaube aber nicht an diese »Gerüchte“. ”Die Katastrophe, die jeder ankündigt, haben wir nicht.« Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit seien Probleme anderer Wirtschaftsbereiche. Immerhin habe der Finanzplatz im vergangenen Jahr etwa 3.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, und selbst im Dezember seien noch 220 neue Arbeitsplätze hinzugekommen, die »zu Zweidrittel mit Leuten besetzt wurden, die nicht aus dem Sektor kamen«. Auch wenn die Beschäftigungszunahme wohl nicht mehr so weitergehe, und er am Finanzplatz mit »schmerzhaften Einzelszenarien« in Form von Fusionen und Restrukturierungen rechne, solle doch bitteschön nicht der Teufel an die Wand gemalt werden. Zudem habe der Konzentrationsprozeß bereits lange vor der Finanzkrise begonnen. So habe es in den 80er Jahren noch mehr als 220 Banken in Luxemburg gegeben, von denen weniger als 150 übrig geblieben seien.

Auch auf die Frage, mit welchen Forderungen die ABBL in die nächste Tripartiterunde gehe, antwortete Rommes ausweichend. Klar sei lediglich, daß »die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe« nun »wichtiger denn je« sei und daß das Staatsbudget »nicht weiter strapaziert« werden dürfe. »Untragbar« für das Bankenpatronat sei auch das Vorhaben der Regierung, die Quellensteuer, die in Deutschland nur 25 Prozent beträgt, in Luxemburg auf 35 Prozent zu erhöhen. Rommes kündigte an, dieses Thema bei den Verhandlungen auf den Tisch zu bringen.

Bitter beklagte sich der ABBL-Direktor gestern über »böse Attacken gegen Luxemburg«, die vor allem aus Frankreich kämen und die mittlerweile auch die sogenannte Fondsindustrie in Luxemburg beträfen. Diese Angriffe seien »zum Teil politisch gesteuert, um uns klein zu kriegen« und den hiesigen Finanzplatz zu diskreditieren. Zudem sollten so »Entschädigungen von Luxemburg hervorgezaubert« werden und Einfluß auf die angekündigte Regulierung der Finanzmärkte genommen werden.

Angesichts der Krise habe leider auch die »Lobbypower« des Finanzsektors weltweit »dramatisch gelitten«. »Was wir sagen, wird nur noch halb so ernst genommen wie noch vor ein paar Monaten. EU-weit haben wir immer gesagt, es sei bereits genug reguliert. Nun heißt es, es müsse mehr reguliert werden. Doch die Ursache der Krise war nicht ein Mangel an Regulierung, sondern die Auslagerung von Aktivitäten an den Bilanzen der Banken vorbei.« Diese Auslagerungen hätten jedoch stattgefunden, weil die Finanzmärkte zumindest in EU-Europa bereits vor der Krise »zu stark reguliert« gewesen seien. Bei einer EU- oder gar weltweiten Harmonisierung befürchtet die ABBL zudem »Probleme für die Nischenpolitik Luxemburgs«.

oe

Oliver Wagner : Donnerstag 8. Januar 2009