Unser Leitartikel:
Wie halten Sie es mit den Kommunisten?

Manche Medien hatten sich im Vorfeld der Gemeindewahlen stark angestrengt, um den Wählern einzureden, sie sollten die KPL nicht wählen, da diese »Betonköpfe« – im Gegensatz zu den viel smarteren Grünen, Sozialisten und Linken – ohnehin keine Chance hätten gewählt zu werden. Und wer will schon eine Stimme für eine Partei abgeben, von der man im Voraus weiß, dass es sich um eine »verlorene Stimme« handelt, nicht wahr?

Nur hatten sich die antikommunistischen Propagandisten aller Schattierungen diesmal geirrt. Groß war das Erstaunen, als die Kommunisten nach längerer Abwesenheit in die Gemeinderäte der zwei größten Städte im Landessüden, Esch/Alzette und Differdingen, in die Gemeinderäte zurückkehrten und in Rümelingen mit einem Mandat sogar auf 9,29 Prozent kamen.

Die vorangegangene Hetze hatte offenbar nicht ganz den gewünschten Erfolg, und Herr Juncker dürfte anschließend viel Mühe gehabt haben, um seinen NATO-Partnern zu erklären, warum die staatstragenden Parteien eine Rückkehr der Kommunisten in die Gemeinderäte nicht verhindern konnten.

Die antikommunistische Paranoia geht inzwischen munter weiter. In Esch/Alzette malte ein DP-Gemeinderat den roten Teufel an die Wand, indem er behauptete, die Präsenz der KPL im Gemeinderat werde sich negativ auf das Image der Universitätsstadt auswirken; kein Unternehmer werde mehr in Esch investieren. Und im »Lëtzebuerger Journal«, der Zeitung der DP und des Differdinger Bürgermeisters hieß es: »Selbst die vergreisten Altstalinisten haben mit Hammer und Sichel bewaffnet wieder an verschiedenen Ratstischen Platz genommen – die Weltrevolution unternimmt einen neuen Anlauf.«

Wer sich über die Antrittsreden der kommunistischen Gemeinderäte in Differdingen und Esch/Alzette informierte, wird gehört und gelesen haben, dass es nicht um die »Weltrevolution« ging, sondern um ganz konkrete Probleme, mit denen die schaffenden Menschen sich herumplagen müssen: um Sozialabbau, Taxenerhöhungen, Wohnungsmangel, Privatisierungen von kommunalen Diensten, und wie man sich dagegen wehren kann, um zu gesellschaftlichen Zuständen zu kommen, die von sozialer Gerechtigkeit geprägt sind.

Genau diese Kritiken und ihre klaren Alternativen hatten die Kommunisten Anfang dieses Jahres in einem Wahlprogramm zusammengefasst, und auf dieser Grundlage wurden sie gewählt. Dabei hatten sie von Anfang an keine Zweifel daran gelassen, dass die größten Probleme der schaffenden Menschen erst durch konsequente antikapitalistische Veränderungen auf Landesebene gelöst werden können. Doch sei es jetzt notwendig, auch auf Gemeindebene mit Veränderungen zu beginnen.

Wir meinen, dass die Menschen sich nicht durch antikommunistische Propaganda verblenden lassen, sondern lesen und hören sollten, was die Kommunisten zu sagen haben. Dazu muss man nicht warten, bis die Kommunisten eine Sondernummer verteilen oder eine öffentliche Rede halten.

Wer die »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek« regelmäßig liest, wird schnell erkennen, dass zwischen dem, wie die Kommunisten von ihren Gegnern dargestellt werden, und wie sie tatsächlich denken und handeln, Welten liegen. Auch in direkten Gesprächen, zum Beispiel mit den neuen Gemeinderäten, dürften sich Vorurteile schnell abbauen lassen. Eine Gelegenheit dazu bietet der »Niklos- an Chrëschtbasar« der »Zeitung« am 4. Dezember in Zolver.

Das Angebot steht.

Ali Ruckert

Ali Ruckert : Sonntag 27. November 2011