Greenpeace macht gegen Shell mobil

Umweltschützer fordern Ende der Ölbohrungen in der Arktis

Der Eisbär, das Wahrzeichen der Arktis, hat es nicht leicht. Forscher berichten, daß wegen des schmelzenden arktischen Eises immer mehr Polarbären ertrinken, weil die Distanzen zwischen den Eisschollen zu groß werden. Andere müssen immer länger hungernd an Land warten, bis das Meer am Ende des Sommers wieder zufriert. Zum ersten Mal wurde bei Eisbären Kannibalismus beobachtet, weil es nicht genug Nahrung gab.

Nun will auch noch der britisch-niederländische Öl- und Gaskonzern Shell mit der Ölförderung vor der Küste Alaskas beginnen. Die Regierung des Bundesstaates und die USA-Regierung haben nichts dagegen, doch Greenpeace will die Pläne von Shell verhindern, »um eine der letzten unberührten Regionen unseres Planeten zu schützen«, wie Martina Holbach, Leiterin der Klima- und Energiekampagne von Greenpeace Luxemburg, am Donnerstag am Rande eines »Die-in« neben der Post am hauptstädtischen Aldringer erklärte. Sieben als Eisbären verkleidete Greenpeace-Aktivisten hatten es sich auf einem künstlichen Eisberg gemütlich gemacht, bis eine schwarze Flüssigkeit, die aus zwei Ölfässern mit einem abgewandelten Shell-Emblem sprudelte, das Eis schwarz färbte. Damit warnten die Umweltschützer vor den katastrophalen Folgen eines möglichen Ölunfalls für die ganze Region.

Bisher gebe es keine Methode, wie man Ölunfälle in der Arktis beherrschen könnte. Bei einem Öltankerunfall vor über 20 Jahren starben Hunderttausende Tiere. Noch heute seien Ölrückstände in den Kiesstränden der Küste zu finden. Greenpeace fordert, die Arktis für die Ölmultis zu sperren. »Die Ölkonzerne sehen nur die Milliardengewinne und ignorieren dabei die Warnungen von Experten«, kritisierte Holbach. Die Organisation sammelt im Internet Unterschriften für eine Petition »Schützt die Arktis« (www.savethearctic.org), die seit dem 21. Juni läuft. Das Ziel sind zwei Millionen Unterschriften.

Nagasaki vergessen?

Bei ihrem Einsatz für den Eisbär hat Greenpeace offenbar vergessen, daß die Organisation einst von Friedensaktivisten gegründet wurde und in den 70er und 80er Jahren vor allem durch Kampagnen gegen Atomwaffentests bekannt wurde. Gestern war der 67. Jahrestag des vom damaligen USA-Präsidenten Truman befohlenen Atombombenabwurfs über Nagasaki, wo 92.000 Menschen sofort und weitere 130.000 bis Ende 1945 auf schreckliche Weise an den Folgen der atomaren Verseuchung starben.

oe

Oliver Wagner : Freitag 10. August 2012