Fünf Jahre Finanzkrise

Vor fünf Jahren, am 9. August 2007 brach die internationale Finanzkrise aus. Dieser Geburtstag ist in der Öffentlichkeit keineswegs angemessen gewürdigt worden. So will ich die Bürde auf mich nehmen und anstelle von Regierung, Finanzinstitutionen und Rundfunkanstalten einige die Jubilarin würdigende Worte aufschreiben. Schließlich handelt es sich um eine geschichtliche Erscheinung, die die meisten von uns nur einmal erleben.

Was geschah am 9.8. 2007? Die Finanzwelt kippte von einem Aggregatzustand in einen anderen. Wo es zuvor Überschuß an Kapital, Kredit und Anlage suchendem Geld gab, herrschten nun plötzlich Knappheit an diesen schönen Dingen. Konkret hörte im Zentrum der Finanzwelt der Geldmarkt unter Banken auf zu funktionieren. Die Institute liehen sich gegenseitig kein Geld mehr oder nur zu enormen Zins­­­­­aufschlägen. Sie mißtrauten einander, weil sie wußten, daß die Kredite, die sie vergeben hatten, faul waren, faul wurden oder faul zu werden drohten. Gleich am ersten Tag kamen die Zentralbanken zu Hilfe. Die EZB schüttete 90 Milliarden Euro zusätzlich ins System. Der Geldmarkt der Banken ist bis heute von der freundlichen Unterstützung der Zentralbanken abhängig geblieben.

Warum entstand daraus die Weltwirtschaftskrise? Auch das ist schon häufig erzählt worden. Der Kredit- und Spekulationsboom hatte die globale Ökonomie befeuert. In den USA war die effektive Nachfrage nach Waren trotz stagnierender oder sogar sinkender Reallöhne mit Hilfe einer stetig wachsenden Verschuldung der abhängig Beschäftigten angetrieben worden. Die Weltwirtschaft brauchte die Konsumenten in den USA. Ohne Kreditaufnahme wäre sie schon sehr viel früher in eine klassische Überproduktionskrise geraten. Die USA-Bürger verschuldeten sich über die Hypotheken auf ihr Eigenheim, die von den USA-Banken an das Anlage suchende Kapital in aller Welt locker verkauft wurden.

Nicht jeder Finanzcrash führt zur Wirtschaftskrise. Meist hilft das Gegenmittel einer neuen Spekulationsblase. Die Rezession nach dem Aktienmarktcrash 2000 bis 2003 wurde durch den Immobilienboom in den USA und die Verschuldung ihrer Bürger beendet. Aber der Kreditcrash des Jahres 2007 war zu groß für solche Rezepte. Die Bankenrettung im Herbst 2008 und die Konjunkturprogramme im folgenden Winter in allen Kernländern des Kapitalismus bewirkten lediglich, daß die Abwärtsspirale der Weltwirtschaft unterbrochen wurde, eine Teil­erholung stattfand und der in dreißig Jahren Neoliberalismus riesige, aufgeblähte Finanzsektor erhalten blieb. Ein neuer Spekulationsboom ist nicht in Gang gekommen. So leidet die Weltwirtschaft unter dem viel zu großen Finanzvermögen, das laufend Tribut fordert, und dem Mangel an effektiver Nachfrage. Einige Jährchen wird deshalb die Jubilarin noch mit uns sein.

Lucas Zeise

Dienstag 14. August 2012